Der frühere Esslinger Grünen-Stadtrat Martin Lesny ist tot. Vielen bleibt er als überzeugter Kulturpolitiker und liebenswerter Mensch in Erinnerung.Von Alexander Maier
ESSLINGEN. Es gibt Menschen, deren Leben so facettenreich und voller Geschichten ist, dass man ganze Bücher damit füllen könnte.Offen für Neues, engagiert, freundlich, verlässlich, aufrecht, und wenn es sein musste streitbar - so wird Martin Lesny in Erinnerung bleiben. Die Nachricht vom Tod des früheren Stadtrats der Grünen, der nach schwerer Krankheit gestorben ist, hat viele tief berührt. Wer das Privileg genoss, ihn auf den letzten Schritten seines Lebens begleiten zu dürfen, hat bis zuletzt einen klugen und humorvollen Menschen erlebt. „Ich habe das Buch meines Lebens vor mir und sehe, wie die einzelnen Blätter davonfliegen, und ich versuche, sie festzuhalten ... aber ich schaffe es nicht mehr". hat er wenige Tage vor seinem Tod gesagt. Die Erinnerung an einen außergewöhnlichen Menschen bleibt.Martin Lesny wurde 1965 im oberfränkischen Stadtsteinach geboren. Er hat immer wieder Neues ausprobiert und sich neu erfunden", weiß seine frühere Gemeinderats-Kollegin Petra Schaback. Lesny war Dramaturgieassistent im Theaterhaus, er wurde zum IHK-Handelsfachwirt ausgebildet, und er hat sich bis zuletzt in der Erwachsenenbildung engagiert.Hochwertige Schreibgeräte und Papiere waren seine Leidenschaft. Dinge, die man täglich benutzt, sollten eine gewisse Wertigkeit haben. Sie sagen etwas über einen selbst aus, und sie machen das Leben schöner", hat er seiner Kundschaft mitgegeben - erst bei Papier Maier in Esslingen, dann im Londoner Nobel-Kaufhaus Harrod's, wo er als Leiter der Schreibgeräteabteilung die Reichen undMächtigen beraten durfte. Nach seiner Rückkehr nach Esslingen hat Lesny erst auf der Inneren Brücke und dann am Hafenmarkt Fachgeschäfte für hochwertige Schreibgeräte und Papierwaren geführt.Unvergessen ist auch sein politisches Engagement - erst bei den Stuttgarter Grünen und der grünen Jugend im Land, dann Anfang der 90er-Jahre im Esslinger Gemeinderat als Stadtrat und später als beratendes Mitglied im Kulturausschuss und im Vorstand der örtlichen Grünen. Als überzeugter Kulturpolitiker hat Lesny in Esslingen viel ermöglicht und viel bewegt. Noch in seinen letzten Tagen erinnerte er sich wehmütig an viele tiefschürfende Debatten im Kulturausschuss, die er sich auch heute wieder wünschen würde. Neben seinem politischen Engagement war Martin Lesny auch ein leidenschaftlicher Sportler - seine Ehefrau Magdaline, eine kenianische Leichtathletin, die er im vergangenen Jahr geheiratet hat, hatte er durch seine Laufbegeisterung kennen und lieben gelernt.Viele erinnern sich an unvergessene Momente mit Martin Lesny - auch in den Esslinger Partnerstädten, die ihm immer sehr am Herzen lagen. „Was für ein wunderbarerMensch voller Pläne und Liebe", heißt es in einer Kondolenzbotschaft aus Vienne. Und ein anderer aus der französischen Partnerstadt schreibt: „Sein Lächeln, seine Dynamik und seine Großzügigkeit werden bleiben."