Seit zehn Jahren engagieren sich in Ostfildern Bürgerstiftung, Freundeskreis Asyl und Stadtverwaltung gemeinsam in einem Projekt, das im Rahmen des Bundesprogramms „Menschen stärken Menschen“ gefördert wird. Das Beispiel Ostfildern zeigt ganz konkret, wie wertvoll persönliche Patenschaften für Geflüchtete beim Ankommen in Deutschland, für die Integration und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt sein können. Ehrenamtliche begleiten Geflüchtete im Alltag, helfen beim Einleben und schaffen durch persönliche Begegnungen Vertrauen und gegenseitiges Verständnis.
Gerade deshalb sehe ich die drohende Streichung des Bundesprogramms „Menschen stärken Menschen“ mit großer Sorge. Denn damit steht auch das erfolgreiche Mentoring-Projekt in Ostfildern vor einer ungewissen Zukunft. Ich werde mich deshalb im weiteren Haushaltsverfahren dafür einsetzen, dass dieses wichtige Angebot nicht ersatzlos wegfällt.
Das Bundesprogramm wurde ursprünglich als Patenschaftsprogramm für Geflüchtete ins Leben gerufen. Es ermöglicht persönliche Begleitung dort, wo staatliche Angebote allein nicht ausreichen können: beim Ankommen, beim Kennenlernen der neuen Umgebung, beim Spracherwerb oder bei ganz alltäglichen Fragen. Seit Ende 2018 wurde der Ansatz zudem um sogenannte Chancenpatenschaften für Menschen in benachteiligenden Lebenssituationen erweitert. Im Mittelpunkt stehen aber weiterhin persönliche Beziehungen und die Frage, wie Teilhabe und gesellschaftlicher Zusammenhalt konkret gelingen können.
Das bundesweite Mentoring-Programm hat an mehr als 900 Standorten mehr als 280.000 Patenschaften ermöglicht. Zuletzt standen dafür jährlich rund 18 Millionen Euro zur Verfügung. Künftig soll das Programm lediglich mit einem Abwicklungsbudget fortgeführt werden. Aus meiner Sicht sollte deshalb sehr genau geprüft werden, ob ein Programm, das mit vergleichsweise begrenzten Mitteln so viel ehrenamtliches Engagement und gelebten Zusammenhalt ermöglicht, tatsächlich vollständig beendet werden muss.
Ostfildern macht deutlich, dass es dabei nicht um eine abstrakte Förderstruktur geht, sondern um konkrete Menschen und gewachsene Beziehungen. Über zehn Jahre sind dort Strukturen entstanden, Erfahrungen gesammelt und Netzwerke aufgebaut worden. Ehrenamtliche haben Zeit investiert, Verantwortung übernommen und Geflüchtete beim Ankommen begleitet. Wenn die Bundesförderung wegfällt, steht damit nicht nur ein einzelnes Projekt auf dem Spiel. Es besteht auch die Gefahr, dass wertvolles ehrenamtliches Engagement verloren geht.
Text: Dr. Sebastian Schäfer MdB
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